Ich habe einen Freund und der ist vom Fach. Er nennt sich Entomologe und er vergällt mir jedes leckere Honigbrötchen. Er folgt so gar nicht dem deutschen Bienenwahn. Diesen aus dem Boden sprießenden Hobby-Imkern auf Weltrettungsmission. Nicht weil das purer Aktionismus sei, sondern beispielloser Blödsinn mit dem nur Unheil angerichtet wird.
Ja, das hatte mich auch verblüfft. Auch ich sah mich schon als Pensionär den eigenen Honig schlürfen. Mit dem guten Gefühl Besseres zu tun und zur Weihnachtszeit „Opas-Besten“ in kleine Gläschen an die Verwandtschaft zu verteilen. Ob sie wollen oder nicht. Ganz so, wie die vielen Marmeladengläschen, die sich von stolzen Hobbygärtnern in unserem Küchenschrank stapeln. Mit sonderlichsten Geschmacksnoten und Fruchtgemischen und deren Schicksal es sein wird, niemals auf einem ehrlichen Brötchen zu landen.
Wie geschrieben, mein Freund ist vom Fach und er kann gut begründen, warum man mit den eingeschleppten Bienenzüchtungen nur die „letzten“ natürlich bestäubenden Insektenarten in den Nahrungsruin treibt.
Wenn wir zusammen frühstücken, ist die Prozedur immer dieselbe. Wenn ich mir Honig aufs Brot schmiere, nimmt dieser „Freund“ mein Glas mit spitzen Fingern auf, er rückt seine Brille zurecht und verliest, welche Sünden auf dem Etikett zu entdecken sind. Und ob ich denn wüsste, dass das Bienen-Kotze sei, fragt er. Und da ich vor allem Waldhonig begehre, sei das Kotze und Scheiße in einem. So ist er dieser Freund, wenn ich in mein leckeres Honigbrötchen beißen will.
Und da hat es mich am letzten Wochenende schon sehr verblüfft, dass er mich zum Honig-schleudern eingeladen hatte. Wow, dachte ich. Der wir ja noch richtig nett im Alter und einsichtig. Auch das Gesamtpaket stimmte. Schiefahren, Hütten-Gaudi, guter Wein und gutes Essen.

Wie schon einem vergangenen Blog-Eintrag verkündet, spielten Wetter und Schnee nicht so richtig mit. Aber wo ein Wille ist, da ist auch Schnee und mit dieser Motivation und mein ältesten Langläufern schafften wir ganze drei Skitage auf dem Rennsteig.

Als das überstanden war, freute ich mich auf die angekündigte Honig-Schleuder-Aktion, mit der das Wochenende gekrönt werden sollte. „Und wann es denn endlich so weit sei?“ Der Freund mahnte Geduld an. Und ich würde schon auf meine Kosten kommen.
Als es endlich so weit war, holte er merkwürdige Beikleidungsstücke aus einem verfallenden Schuppen. Damit ginge es besser erklärte er mir und feixte und das weckte meinen Argwohn.
„Ob denn die Bienen so früh im Jahr schon aktiv wären?“, fragte ich. Mein Freund ist Thüringer und Thüringen beschreibt er immerzu als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Warum sollten da nicht auch die Bienen aus der Art schlagen?
Ungeduldig wartete ich in einer viel zu großen Jacke auf sein Aufbruchssignal. „Er müsse noch etwas vorbereiten“, meinte er und verschwand um eine Hausecke. Ich wartete geduldig im Schneematsch.
Mir wurde schon kalt, als er mich endlich zu sich winkte und auf einen großen Topf zeigte, den er unter dem Haus hervorgezogen hatte. Aha, dachte ich. Die Bienen haben sich ein geschütztes Plätzchen für den Winter gesucht und er würde mir nun fette Waben zeigen.
Ich schaute in eine gebliche Pampe, ich staunte und dann würgte ich.
Mein Freund grinste und nickte mir herrisch zu. „Das ist doch Schei..“, maulte ich aber es gab kein zurück mehr. Wir zogen in den Garten und hinterließen in der guten Erde, was zu hinterlassen war.

„Kotze und Scheiße“, murmelte ich. „Für Liebhaber von Waldhonig sei das genau das Richtige?“, meinte der gute Freund.
Und in der Tat hat mir mein Honigbrötchen nicht mehr geschmeckt. Ich sah immerzu diesen Topf vor mir, mit dem wir durch den Garten wankten und dessen Menge mich entsetzte. Nur drei Bienen hatten einen erstaunlichen Ertrag eingebracht. Ja in Thüringen, da geschehen noch wahre Wunder!