Der Untergang der Welt wie wir sie kannten begann an einem Dienstag. Ich kam gerade aus Italien zurück und der Zug war voller Menschen. Menschen aller Hautfarben und bepackt mit Säcken. Menschen die hinter der Grenze von Zollbeamten aus dem Zug geführt wurden. Es war Juni, sonnig und es herrschte Ferienstimmung. Mit diesen Menschen im Zug fing alles an.
Das mit diesen Menschen im Zug alles beginnen würde, hatte der Club of Rome schon 1972 vorhergesagt. Die Botschaft war klar und unmissverständlich gewesen, aber sie blieb natürlich unerhört.

Alle Szenarien die kamen, hatte der Club of Rome punktgenau vorhergesagt, aber die Einsicht oder der Glaube, dass sie auch eintreten würden, blieb aus. Die Menschheit machte weiter wie zuvor, bis dieser Dienstag kam. Und dieser Tag war heiter und sonnig. Er schien harmlos und gar nicht spektakulär.
Es stiegen einfach nur viele Menschen aus einem Zug, deren Ankunft schon 50 Jahre zuvor vorhergesagt worden war. Mehr geschah erst einmal nicht.
Der kommende Untergang vollzog sich in Stufen und brauchte weitere 6 Jahre, um den Boden unter den Füßen aufzuweichen und aus der Verdrängung und Verharmlosung Panik werden zu lassen.
Doch zunächst kam das Gegenteil vom dem, was kommen würde. 2 Jahre darbte das Land und ächzte unter einer nie erfahrenen Trockenheit. Trinkwasser wurde knapp, auf den Feldern verdörrte die Ernte. Wälder starben und verbrannten und dann kam die große Krankheit. Auch jetzt noch glaubte man, das Chaos beherrschen zu können. Man flickte und schusterte herum und als der Sommer kam, in dem alles enden sollte, glaubte man sogar, das Schlimmste überstanden zu haben.
Dass in Sibirien und in Nordamerika die Wälder brannten und das Eis an den Polen schmolz war fernab aller Vorstellungskraft. Es gehörte zu dem üblichen Getöse in den Schlagzeilen. Und dass dieser letzte Sommer kühl und feucht begann, stimmte hoffnungsfroh, denn die Trockenheit war gebannt. Niemand ahnte, was kommen würde und was dann kam, kam in mehreren Wellen.
Die erste Welle war nur ein kaltes und feuchtes Frühjahr. Dann setzte der Regen ein und es kamen Unwetter biblischen Ausmaßes. Hinweggespült wurden nicht die Slums in irgendeiner „Dritten Welt“, sondern die Straßen und Häuser mitten in diesem Land der Ingenieure und Normen, mit denen mögliches Unheil gemessen wurde. Normen, die sich am Schlimmsten der letzten 130 Jahre maßen und die eine trügerische Sicherheit gaben.
Die Menschen glaubten an ihren Besitz und ihre Baukunst und sie lernten, sofern sie diese zweite Welle überlebten, dass nichts mehr sicher und alles zu spät war.
Politiker trösteten noch und versprachen schnelle Hilfe bevor sie sich vor der dritten Welle in Sicherheit brachten, die alles, aber auch alles verschlingen sollte.