Total verschmuddelt!

Eigentlich sind die 12 schlimmen Wochen vorbei. Die Zeit der Dunkelheit. Eigentlich sollte es jetzt aufwärts gehen, aber statt Licht und Lust, statt Amselgesang und den ersten Frühblühern, wie in den vergangenen Wintern, droht die „Totalverschmuddelung“. Die Verwischung aller Aggregatzustände. Nicht Fisch, nicht Fleisch und vor allem kein Frühling.

Damit stellt sich das Wetter ganz auf die Seite der Politik. Ungreifbares Chaos. Wer Bahn fährt leidet doppelt. Man strandet hier und da. Man friert und schliddert. Und wenn es endlich doch weiter geht, und man genüsslich bei den E-Papern stöbern will, um nach erbaulicher Intellektualität und hoffnungsvollen Botschaften zu suchen, wird alles noch schlimmer. Die Journale lesen sich wie Unglücksverkettungen, gespickt mit Niedergangsszenarien der kulturellen und wirtschaftlichen Art.

Rentner und Staatsdiener werden als Verursacher ausgemacht. Die Babyboomer belasten die Generationen Y und Z. Es hagelt Hassbotschaften. Freilich nett verpackt, aber doch unmissverständlich. Spiegel und Springerpresse üben sich in einer verbalen Mobilmachung gegen den öffentlichen Dienst und gegen die reichen Rentner, die der arbeitsamen 30-Stunden-Generation auf der Tasche liegen. Es wird gespalten, wo immer es geht. „Capital“ schreibt von jahrzehntelanger Stagnation und „Cicero“ zelebriert den totalen Untergang des Abendlandes.

Wie kann man sich bei so viel Niedergang noch freuen dürfen? Ich rufe hoffnungsvoll meine Freunde an. Der eine hustet und schnupft. Der andere hat Schulter.

Mittendrin überfällt mich mein Sohn mit einem Stakkato an Katastrophen-Botschaften. Er ist ein Meister des Negativen. Hoffnungsvolles vernimmt man von ihm nie.

Der Winter in Deutschland birgt wirklich keine Freude mehr. Nur die Kinder sind sorglos. Die rodeln bis auf Gras hinab. Die werfen sich auf schmuddelige Eisflecken und sind Meister (und natürlich auch Meisterinnen) im „Unbekümmert-Sein“.

Die wärmen mir das Gemüt. Die sind nicht hochsensibel, sondern beherzt. Kinder eben!

Ich nehme mir ein Beispiel. Ich jage ebenfalls einen eisigen Hügel hinab. Ich bekämpfe meine „Hochsensibilität“ und trage meine Frau auf Händen durchs Haus.

Jetzt habe ich „Rücken“ und einen bösen Witz im Ohr: Wo veröffentlichen junge Ehefrauen die Todesannonce ihres Mannes?

Bei „Schöner Wohnen“…

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