Vierkommanullsieben…

Das ist keine Flugnummer (oder vielleicht irgendwie doch), sondern meine verbleibende Lebensrestarbeitszeit in Stunden und Minuten. Der finale Exit, nach dem sich alle sehnen und vor dem mir gruselt, weil ich (doch) noch nicht bereit bin.

Ich bin sehr bereit, mich aus allen Verwaltungsstrukturen zu verabschieden, für die ich mein Berufsleben lang nicht geschaffen war, weil Verwaltung jegliche Kreativität verhindert und eine Hörigkeit auferlegt, die man weder hinterfragen darf, noch verstehen kann. Eine Hörigkeit, die per Eid besiegelt wird, ja wem schreibe ich das…

Ich habe die kreative DDR-Diktatur überlebt, als „obendrüber“ stand, was ohnehin keiner glaubte. Als es zwei Sprachcodes gab: Dem der alten Männer in Berlin, die jagen gingen und noch an den Weihnachtsmann glaubten, und dem von „uns“ (dem Volk), das munter in der Wirklichkeit laborierte, den einfachen Tauschhandel vollzog und das Volkseigentum privat abbiegen ließ. Oder auf einer Ebene höher, die verwegenen Künstler mit ihren wilden Feten, die sich in einer Bildsprache austobten, die bis heute (Pardon) kein Wessi verstanden hat.

Dann kamen, die 90er, als alles zusammenbrach und quasi alles möglich war. Als man noch die steuerlichen Bedenken beiseite wischen und einfach loslegen konnte. Diese wilde und kreative und gesetzlose Zeit, die ich im Rückblick für die Beste halte. Friedensprozesse, Abrüstung, direkte Dialoge und eine Arbeitslosigkeit, die arm&sexy&kreativ machte. Als man noch dankbar für jeden Brosamen war und eben arbeitssam, weil man die Arbeitslosigkeit im Nacken spürte. Nicht so wie heute, wo man bei der 30-Stunden-Generation angelangt ist, die immerzu krank macht und so prima jammern kann und ihre Kreativität von der KI dominieren lässt. In einer Zeit, in der man keiner Wirklichkeit mehr trauen kann, weil sie möglicherweise gar nicht wirklich ist.

Die 90er also, waren die besten Jahre.

Danach kam die Restaurierung der Verwaltungsmacht und das Ich-würde-ja-wenn-ich-könnte… Die Abgabe jeglicher Verantwortung und eine Aufweichung aller logischen Ränder.

Als immer neuen Säue, die durch das Dorf getrieben wurden, die jede DDR-Parole blass aussehen lassen, da viel verlogener und perfider.

EU-Datenschutz (Bitte klicken sie auf…!), Papierlose Verwaltung, Barrierefreiheit (tatsächlich wurden in keiner Zeit mehr Barrieren aufgebaut) oder die EU-bedingte Ausschreibung öffentlicher Etats, um den lokalen Buchhandel zu killen und Familienbetriebe wie Hugendubel zu füttern.

Und nun kommt die Zeit der Zahlungsunfähigkeit, die ich nicht mehr miterleben und mittragen muss. „Aufgabenkritik“, „Adonis“ als Werkzeug des Prozessmanagements, das für den Stellenabbau instrumentalisiert wird. Motto: Entweder ihr beißt Euch selbst ein Bein ab, oder wir schlagen in Form eine hochbezahlten Beratungsagentur von oben so richtig drauf.

Ja, wer will das als „direkte Führungskraft“ schon noch erleben. Da geht auch mir der allerletzte Humor komplett verloren. Und wer seinen Humor verliert, der sollte gehen, sonst geht es an die Nieren, ans Herz und nicht zuletzt an den Verstand. Ich schreibe nur K-iehhh…

Ein Gedanke zu “Vierkommanullsieben…”

  1. Lieber Robert, in diesem Sinne wünsche ich dir eine gute, verabschiedende Woche! Einen schönen Gruß von dem bereits genießenden Ronald

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